Der Job im Pflegebetrieb ist anstrengend. Um so wichtiger, dass jeder Einzelne mit seinem Job unter dem Strich auch wirklich zufrieden ist. Wir wollten herausfinden, welche Fragen – neben der Höhe des Gehalts – dabei wirklich wichtig sind.

Über unsere Facebook-Fanpage haben wir im Mai 2019 dazu aufgerufen, an einer kurzen Umfrage teilzunehmen. 101 Personen sind diesem Ruf gefolgt und haben ihre ehrlichen Antworten anonym abgegeben. Eine durchaus rege Beteiligung, über die wir uns sehr gefreut haben. Die Teilnehmer setzten sich nach Beschäftigungsart wie folgt zusammen:

Laut statistischen Angaben arbeiten in Deutschland ca. 1,6 Mio. Beschäftigte in der Kranken- und Altenpflege, davon etwa im Verhältnis 1:1 stationär (Krankenhaus, Alten- und Pflegeheim etc.) zu ambulant (Pflegedienst, Senioren- und Demenz-WGs). Unsere Umfrage erhebt sicherlich nicht den Anspruch repräsentativ zu sein, trifft diese Verteilung dennoch ganz gut. Die Antworten des 5%-Anteils von Beschäftigten, die nicht in der Pflege arbeiten, unterschieden sich nicht wesentlich von den anderen 95% und sind deshalb weiterhin Teil der Auswertung.

Hier kommen die Ergebnisse:
Sieben von insgesamt neun Fragen konnten mit einer 6-stufigen Bewertungsskala beantwortet werden. Hieraus haben wir ein Ranking abgeleitet, das sich an den jeweiligen Höchst-Bewertungen orientiert. Also:

Platz 1: die Atmosphäre am Arbeitsplatz

Wir haben gefragt: Welche Bedeutung hat für Sie die Arbeitsatmosphäre zwischen den Kollegen, d.h. innerhalb Ihres Teams?

Für 98% ist die Atmosphäre am Arbeitsplatz wichtig, für 78% sogar sehr wichtig. Die Meinung ist hier zwischen allen Beschäftigungsarten einhellig.

 

Platz 2: spezielle Wünsche zu Arbeitszeiten

Wir haben gefragt: Wie wichtig ist es für Sie, dass spezielle Wünsche zu Ihren Arbeitszeiten berücksichtigt werden? (z.B. nur Frühdienste, Dauernachtdienste, Tauschmöglichkeiten etc.)

Für 91% ist diese Flexibilität in der Einsatzplanung wichtig, für 63% sogar sehr wichtig. Ohne große Unterschiede tendieren die typischen Schicht-Jobs – wenig überraschend – mehr zu „sehr wichtig“.

 

Platz 3: die „bunte Mischung“ im Kollegenkreis

Wir haben gefragt: Wie bewerten Sie eine sog. „bunte Mischung“ im Kollegenkreis? (z.B. unterschiedliche Verteilung von Alter, Geschlecht, Herkunft etc.)

88% stehen einer „bunten Mischung“ im Kollegenkreis positiv gegenüber, 56% sehen hierin sogar eine Bereicherung. Dies wird in allen Beschäftigungsarten gleichermaßen so gesehen.

 

Platz 4: individuelles Fortbildungsangebot

Wir haben gefragt: Wie viel Wert legen Sie auf ein auf Ihre Bedürfnisse angepasstes Fortbildungsangebot?

86% wünschen sich ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Fortbildungsangebot, für 46% ist dies sogar sehr wichtig. Auch hier gibt es keine Unterschiede innerhalb der Beschäftigungsarten.

 

Platz 5: zusätzliche Vergünstigungen

Wir haben gefragt: Welchen Stellenwert haben für Sie neben dem Gehalt zusätzliche Vergünstigungen? (z.B. Gutscheine/Gratis-Angebote für Fitness und Massage oder im mobilen Einsatz die Überlassung des PKW auch für private Zwecke)

Für 75% sind zusätzliche Vergünstigungen von Bedeutung, für 40% sind diese Vorteile sogar mit entscheidend für die Gesamtbewertung des Jobs. Hier gab es einen kleinen ‚Ausreißer‘ bei den Beschäftigten im mobilen Einsatz, die mit 54% diesen Punkt als sehr bedeutend bewertet haben: Dies mag sicherlich mit der Option zusammenhängen, den PKW auch privat nutzen zu können.

 

Platz 6: Begleitung durch das Leitungspersonal

Wir haben gefragt: Welche Bedeutung in der täglichen Arbeit hat für Sie die Begleitung durch Vorgesetzte, d.h. die Zusammenarbeit mit dem zuständigen Leitungspersonal?

80% wünschen sich eine gute Begleitung durch Vorgesetzte, für 37% ist dies sogar von sehr hoher Bedeutung. Dies sehen alle Beschäftigungsarten ähnlich.

 

Platz 7: persönliche Anerkennung durch Vorgesetzte/Arbeitgeber

Wir haben gefragt: Neben Gehalt und evtl. Vergünstigungen: Haben Sie darüber hinaus die Erwartung, von Ihrem Arbeitgeber und Vorgesetzten auch persönliche Anerkennung zu erfahren?

88% erwarten von Vorgesetzten / vom Arbeitgeber auch persönliche Anerkennung zu erfahren, 35% verbinden dies sogar mit einer sehr hohen Erwartung. Beschäftigte im stationären Einsatz sehen dies etwas gedämpfter, Beschäftigte in einer Senioren-/Demenz-WG tendieren hier zu sehr hohen Erwartungen.

 

Schließlich gab es noch zwei Fragen zu einer möglichen Kompensation im Schichtdienst sowie zur zumutbaren Fahrtzeit zum Arbeitsplatz:

Kompensation im Schichtdienst: Geld oder Urlaub?

Wir haben gefragt: Der Einsatz im Schichtdienst bringt eine besondere Belastung mit sich. Wenn Sie die Wahl hätten: Bevorzugen Sie eine Honorierung über finanzielle Zulagen oder eine Kompensation über mehr Urlaubstage?

Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen im Verlauf der Umfrage sprachen sich schließlich knapp 60% für mehr Geld und gut 40% für mehr Urlaubstage aus. Dies sehen alle Beschäftigungsarten ähnlich.

 

Fahrtzeit zum Arbeitsplatz: Was ist zumutbar?

Wir haben gefragt: Welche Fahrtzeit zur Arbeitsstelle halten Sie für zumutbar?

30 Minuten Fahrtzeit werden im Mittel akzeptiert (47%), 39% halten sogar eine Fahrtzeit von 60 Minuten oder länger für zumutbar. Einen kleinen ‚Ausreißer‘ stellen die Beschäftigten im mobilen Einsatz dar, die zu 30 Minuten oder weniger tendieren. Dies mag damit zusammenhängen, auch während des Jobs viel auf der Straße unterwegs zu sein.

 

Fazit

Wir sind erst mal sehr froh darüber, neben den regelmäßigen internen Umfragen nun auch unsere erste externe Umfrage durchgeführt zu haben. Außerdem deuten die Antworten daraufhin, dass wir wohl die richtigen Punkte angesprochen haben: Sämtliche Fragestellungen spielen mit Werten zwischen 75% und 94%, also für eine jeweils sehr große Mehrheit, eine wichtige oder sogar sehr wichtige Rolle. Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, liefern uns dennoch sehr gute Hinweise, welche Kriterien z.T. doch mit sehr hoher Wichtigkeit bewertet werden. Wir werden nun in uns gehen und prüfen, ob wir in unserer Arbeit diesen Punkten auch gerecht werden. Und wo dies nicht der Fall ist, müssen wir gemeinsam daran arbeiten – wo möglich – besser zu werden.

Vielen Dank nochmals an alle Teilnehmer!